ICP und Recht17 Min. LesezeitFakten geprüft am 1. November 2026

Welche Inhalte sind auf einer Website in China verboten?

Die gesetzliche Liste ist kurz und vage. Die belegten Probleme ausländischer Unternehmen sind viel konkreter.

Die kurze Antwort

Chinesische Vorschriften verbieten neun weit gefasste Inhaltskategorien, von Angriffen auf die nationale Einheit bis zu Glücksspiel und Pornografie. Belegte Probleme ausländischer Unternehmen betreffen meist die Geografie: Taiwan, Hongkong, Macau oder Tibet als Länder und falsche Karten. Eine amtliche Wortliste fanden wir nicht. Wie weit die geltenden Regeln Websites im Ausland erfassen, ist unklar. Ein Entwurf von 2026 greift das auf.

  1. Artikel 15 der chinesischen Internet-Maßnahmen, überarbeitet am 6. Dezember 2024, nennt neun verbotene Kategorien, die letzte ist ein Auffangtatbestand.
  2. Im Januar 2018 wurde wegen Länderlisten angeordnet, Marriotts chinesische Website und App eine Woche zu schließen.
  3. Peking verhängte im Dezember 2021 gegen eine 7-Eleven-Gesellschaft eine Geldbuße wegen einer Karte auf ihrer Website: laut den meisten Berichten etwa 150.000 Yuan.
  4. Eine 2021 veröffentlichte Studie ergab, dass über 85 % der verbotenen Keywords der Firewall seit 2014 ersetzt worden waren.
  5. Eine Neufassung der Maßnahmen im Entwurf, am 3. Juli 2026 erneut zur Kommentierung gestellt, spricht ausländische Anbieter direkt an. Einen endgültigen Text fanden wir nicht.
Zusammenfassen mitChatGPTClaudePerplexity

Wer auf Deutsch nach verbotenen Inhalten in China sucht, findet vor allem Berichte über die Internetzensur: gesperrte Portale, Kampagnen, Zensoren. Dazu kommen beängstigende Themenlisten oder die vage Warnung, vorsichtig zu sein. Was Sie auf Ihrer Website ändern sollten, steht dort selten.

Dieser Ratgeber geht von den Texten und Fällen aus, die wir lesen konnten, und sagt, wo ihre Aussagekraft endet. Er gehört zu den rechtlichen Grundlagen einer Website in China.

Zu den politischen Streitfragen hinter diesen Vorschriften nehmen wir nicht Stellung. Diese Seite beschreibt, wie sie durchgesetzt werden, und ist keine Rechtsberatung.

Welche Inhalte sind in China verboten?

Artikel 15 der Maßnahmen zu Internet-Informationsdiensten verbietet neun Kategorien.1 Sie sind weit gefasst, die neunte ist offen.

Nr.Verbotene Inhalte (Artikel 15)Wo ein Unternehmen stolpern könnte (unsere Lesart)
1Gegen die Grundprinzipien der VerfassungPolitische Kommentare
2Gefährdung der nationalen Sicherheit, Verrat von Staatsgeheimnissen, Umsturz der Staatsgewalt, Untergrabung der nationalen EinheitGebietsbezeichnungen, Karten
3Schaden für nationale Ehre und InteressenÄußerungen über den Staat oder seine Symbole
4Aufstachelung zu ethnischem Hass oder ethnischer Diskriminierung, Untergrabung der Einheit der EthnienUnbedachte Texte über ethnische Gruppen
5Untergrabung der staatlichen Religionspolitik, Werbung für Sekten oder AberglaubenReligiöse Produkte, spirituelle Dienstleistungen
6Verbreitung von Gerüchten, Störung der sozialen Ordnung oder StabilitätUngeprüfte Behauptungen über Ereignisse
7Obszönität, Pornografie, Glücksspiel, Gewalt, Mord, Terror, Anstiftung zu StraftatenWetten, Produkte für Erwachsene, drastische Bilder
8Beleidigung oder Verleumdung anderer, Verletzung ihrer gesetzlichen RechteAngriffe auf namentlich genannte Wettbewerber
9Alles andere, was Gesetze oder Verwaltungsvorschriften verbietenUnbegrenzt: Deshalb taugt die Liste nicht als sichere Checkliste

Ähnlich unscharf liest sich die Reiseinformation des österreichischen Außenministeriums zu China. Unter den Gütern, deren Ein- und Ausfuhr untersagt ist, nennt sie Druckwerke und elektronische Medien mit „politisch oder moralisch unerwünschten Inhalten“.31 Das ist ein Reisehinweis und sagt nichts über Websites.

Die Bestimmungen von 2019 zu Online-Inhalten wiederholen den Großteil der Liste und ergänzen einige Punkte.

Ihr Artikel 6 nennt 11 Kategorien. Neu sind unter anderem die Verzerrung oder Verunglimpfung von Helden und Märtyrern, die Werbung für Terrorismus oder Extremismus und Gerüchte, die die Wirtschaftsordnung stören.2

Artikel 7 übersehen Marketingteams leicht. Er nennt neun Arten „unerwünschter“ Inhalte, denen die Produzenten von Inhalten vorbeugen sollen, auch wenn sie nicht als rechtswidrig bezeichnet werden.2 Dazu gehören:

  • Reißerische Titel, die nicht zum Inhalt passen
  • Aufgebauschte Skandale oder Klatsch
  • Sexuelle Anspielungen
  • Blutige oder schockierende Bilder
  • Diskriminierung von Gruppen oder Regionen

Superlative sind ein eigenes Problem des Werberechts. Siehe verbotene Werbebegriffe in China.

Auch Metadaten können betroffen sein. Der Hosting-Anbieter weber.digital schreibt, ein MIIT-Schreiben vom April 2021 untersage Begriffe wie 中国 (China), 中央 (Zentral), 国家 (Staat) und 国务院 (Staatsrat) in Website-Namen, Seitentiteln und sonstigen Meta-Informationen.33 Eine genaue Abgrenzung nennt die Seite nicht, und das Schreiben selbst haben wir nicht gelesen. Lassen Sie chinesische Titel deshalb vor Ort prüfen, wenn Ihre Website in China betrieben wird.

Gelten diese Regeln für einen Server in Deutschland, Österreich oder der Schweiz?

Teilweise, und die Texte lassen eine echte Lücke. Die Inhaltsvorschriften sind für Tätigkeiten innerhalb Chinas geschrieben, die Sperrvorschrift dagegen für Inhalte von außerhalb.

Ob Ihre Website in Frankfurt, Wien oder Zürich gehostet wird, behandeln die Texte nicht gesondert: Sie unterscheiden nur zwischen innerhalb und außerhalb der Volksrepublik.

TextGenannter GeltungsbereichWas er mit ausländischen Inhalten macht
Maßnahmen, Artikel 2 1Internet-Informationsdienste innerhalb der VolksrepublikKeine Aussage
Bestimmungen von 2019, Artikel 2 2Steuerung von Online-Inhalten innerhalb der VolksrepublikKeine Aussage
Cybersicherheitsgesetz, Artikel 52 3Verbotene Informationen von außerhalb der VolksrepublikStellen werden angewiesen, ihre Verbreitung zu unterbinden
Cybersicherheitsgesetz, Artikel 77 3Ausländische Stellen, deren Tätigkeit Chinas Cybersicherheit schadetRechtliche Haftung, in schweren Fällen auch Einfrieren von Vermögen oder andere Sanktionen. Eine Anwendung auf gewöhnliche Website-Inhalte haben wir nicht gelesen
Bestimmungen zur Suche, Artikel 7 und 8 4Suchdienste innerhalb der VolksrepublikSuchmaschinen entfernen Ergebnisse, die eindeutig verbotene Inhalte enthalten

Wir haben keinen Text und keine Entscheidung gelesen, wonach Sanktionen nach Artikel 15 eine ausländische Website ohne Präsenz in China treffen. Wir haben aber auch nichts gelesen, was das ausschließt. Behandeln Sie die Frage als offen und wenden Sie sich an einen Berater vor Ort.

Ein Entwurf von 2026 befasst sich mit dieser Lücke

Am 3. Juli 2026 stellte die Cyberspace Administration of China eine vollständige Neufassung der Maßnahmen, nun mit 94 Artikeln, erneut zur Kommentierung. Die Frist endete am 2. August, und bis zum 1. November 2026 fanden wir keinen endgültigen Text.28

Es ist nur ein Entwurf, das Datum des Inkrafttretens ist offen, und er kann sich ändern. Diese Teile sind hier wichtig:

Artikel des Entwurfs 28Inhalt
Artikel 24Weiterhin neun Kategorien, neu formuliert, und sie binden Nutzer ebenso wie Anbieter. Hinzu kommen falsche oder irreführende Informationen, die Herabsetzung von Soldaten und Veteranen und die Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums
Artikel 25Anbieter sollen unerwünschten Inhalten vorbeugen, darunter das Aufbauschen wichtiger politischer Maßnahmen, Notlagen und bedeutender Fälle
Artikel 29Verbreiten ausländische Organisationen oder Personen Inhalte nach Artikel 24, die der nationalen Sicherheit und dem öffentlichen Interesse schaden, können Behörden nach den einschlägigen Gesetzen „notwendige Maßnahmen“ ergreifen
Artikel 92Ausländische Organisationen oder Personen, die Internet-Informationsdienste in die Volksrepublik hinein erbringen, müssen chinesische Gesetze und Vorschriften befolgen

Artikel 2 des Entwurfs spricht weiterhin von Diensten innerhalb der Volksrepublik. Wie diese Teile zusammenpassen, ist also nicht geklärt. Wird der Entwurf verabschiedet, fragen Sie einen Berater vor Ort, was sich für Sie ändert.

Vier Schranken, an denen Ihre Inhalte hängen bleiben können

Was auch immer die Texte sagen: Ihre Inhalte können an vier Stellen gestoppt werden.

SchrankeWer handeltWas passieren kannAuch bei Hosting im Ausland?
Ihr HosterCloud-Anbieter auf dem FestlandÜbertragung gestoppt, auch durch URL-Sperren 6Nicht relevant
Die FirewallBehörden, nach Artikel 52Technische Maßnahmen gegen die Verbreitung 3Ja
SuchmaschinenDie SuchmaschineEindeutig verbotene Ergebnisse entfernt, Aufzeichnungen aufbewahrt, Meldung an die Cyberspace-Behörde 4Ja, über die Suchmaschine
BehördenBehörden für Cyberspace, Marktaufsicht und öffentliche SicherheitAnordnungen, Schließung, Geldbußen, in schweren Fällen strafrechtliche Haftung 18In den von uns gelesenen Fällen hatte das betroffene Unternehmen ein Geschäft oder einen Markt in China

Artikel 52 nennt die Firewall nicht. Diese Bezeichnung stammt von uns, den Mechanismus erklärt Was die Great Firewall für Ihre Website bedeutet.

Nach Artikel 20 der Maßnahmen kann ein Verstoß gegen Artikel 15 strafrechtliche Haftung oder Sanktionen der Behörden für öffentliche Sicherheit nach sich ziehen. Ein lizenzierter Betreiber kann seine Lizenz verlieren, eine Website mit Filing kann geschlossen werden.1

Der Hinweis von AWS China vom April 2026 zeigt die erste Schranke in der Praxis. Er beruft sich auf das geänderte Cybersicherheitsgesetz, in Kraft seit dem 1. Januar 2026, und behält sich vor, die Übertragung zu stoppen, auch durch URL-Sperren.6

Cloudflare schreibt, sein Partner JD Cloud müsse den Inhalt jeder Domain prüfen, bevor das China Network aktiviert wird.7

Auf Infrastruktur auf dem Festland unterliegen Ihre Inhalte also den Regeln Ihres Anbieters ebenso wie dem Gesetz. Siehe ICP-Filing oder ICP-Lizenz?.

Ist Ihre Website bereits nicht erreichbar, kommen die Inhalte nur als eine mögliche Ursache infrage. Lesen Sie zuerst Warum Websites in China gesperrt werden.

Geografie: Hier geraten Unternehmen tatsächlich in Schwierigkeiten

Alle Sanktionen gegen ausländische Unternehmen, von denen wir in diesem Bereich gelesen haben, betrafen Ortsnamen oder Karten, nicht Meinungen. Meist ging es um Listen, nicht um Aussagen.

DatumUnternehmenWo es erschienWas falsch warErgebnis
Jan. 2018MarriottE-Mail-Umfrage an Mitglieder, Website, App 8Hongkong, Macau, Taiwan und Tibet neben China als LänderoptionenChinesische Website und App für eine Woche geschlossen, Untersuchung eingeleitet 8
Jan. 2018ZaraEine Option auf zara.cn 9Taiwan als Land bezeichnetKorrektur und Entschuldigung auf der Website bis 18:00 Uhr desselben Tages 9
Jan. 2018MedtronicLänderoption auf medtronic.com 9„Republic of China (Taiwan)“ unter den Ländern aufgeführtGleiche Anordnung 9
Jan. 2018DeltaWebsite 10Taiwan und Tibet als Länder aufgeführtÖffentliche Entschuldigung und Untersuchung gefordert 10
Jan. 2018MujiFilialkarte in einem in Chongqing verteilten Möbelkatalog 25Laut Peking fehlten die Diaoyu-Inseln, und Taiwan war falsch bezeichnetVernichtung des Katalogs angeordnet 25
Mai 2018MujiProduktverpackung 11Taiwan als Herkunftsland angegeben200.000 Yuan Geldbuße nach dem Werberecht 11
Dez. 20217-Eleven-Gesellschaft, PekingKarte auf ihrer Website 24Taiwan als Land, Inseln ausgelassen oder ohne chinesische Namen, Grenzfehler 1224Verwarnung, Überarbeitung der Karte und Geldbuße: laut den meisten Berichten etwa 150.000 Yuan 1224, in einem Bericht 50.000 Yuan 30

Unter den Unternehmen in dieser Tabelle ist keines aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Auch in unseren Suchen auf Deutsch fanden wir keine Sanktion gegen ein solches Unternehmen. Das beschreibt nur unsere Quellen und sagt nichts darüber, ob es solche Fälle gibt.

Berührt hat das Thema einige von ihnen trotzdem, auch wenn die Berichte, die wir gelesen haben, keine Sanktion nennen:

  • Lufthansa, Austrian Airlines, Swiss: 2018 mussten laut aeroTELEGRAPH 44 ausländische Fluggesellschaften bis zum 24. Juli Hinweise auf Taiwan, ein unabhängiges Hongkong und ein unabhängiges Macau von ihren Webseiten tilgen. Lufthansa mit ihren Töchtern gehörte zu denen, die früh reagierten, und setzte bei Taipeh den Zusatz „Taiwan, China“.35
  • Siemens: MERICS berichtete im Januar 2019 über eine Studie chinesischer Forschungseinrichtungen, wonach 83 Fortune-500-Unternehmen Taiwan, Hongkong und Macao nicht als Teil Chinas darstellten, darunter Siemens.34 Das ist ein Stand von 2019.

Drei Muster fallen auf, das letzte ist das wichtigste.

  • Selten trifft es eine Seite, an deren Prüfung Sie denken würden. Marriotts Problem zeigte sich in einer Kunden-E-Mail mit Umfrage, dann in einer Zielliste auf der Website und einem Auswahlmenü der App.8
  • Tempo zählte. Zara und Medtronic hatten nur Stunden, um die Seite zu korrigieren und eine Entschuldigung zu veröffentlichen.9
  • Jedes namentlich genannte Ziel hatte ein Geschäft oder einen Markt in China. Die Mitteilung aus Shanghai ging an die Betreibergesellschaften der Websites.9 Delta fliegt nach China und untersteht dabei einer chinesischen Aufsichtsbehörde.10

Der Fall Marriott zeigt, warum ein Fehler mehrere rechtliche Anknüpfungspunkte haben kann. Die örtlichen Behörden sprachen vom Verdacht auf Verstöße sowohl gegen das Cybersicherheitsgesetz als auch gegen das Werbegesetz.8

Bird & Bird fasst den werberechtlichen Grundsatz dahinter zusammen: Werbung darf Chinas Würde oder Interessen nicht verletzen.13

So bezeichnen Sie Orte

Vermeiden Sie das Wort „Land“ auf jeder Liste, die diese Orte enthält. Erwarten Sie aber nicht, dass eine neue Überschrift das Problem löst.

John Yunker, Berater für Website-Globalisierung, warnt vor „Select Country“ als riskanter Botschaft und empfiehlt, Flaggen aus Auswahlmenüs zu entfernen.16

Marriotts App-Menü lautete bereits „Country/Region“, und National Business Daily berichtete dennoch darüber, weil China und Taiwan nebeneinanderstanden.8

BNP Paribas benannte seinen Eintrag 2019 nach Kritik in „Taiwan, China“ um.23

Die Gegenseite meldet sich ebenfalls: 2018 kündigte der Chef von Taiwans Nationalem Sicherheitsrat an, Fluggesellschaften, die Chinas Anordnung folgten, öffentlich zu brandmarken.35

Karten brauchen eine eigene Prüfung

Karten haben eine eigene Verordnung, und sie geht weit über Staatsgrenzen hinaus. Auch die Weltkarte auf Ihrer Seite „Standorte“ oder „Vertriebspartner“ fällt unter dieses Thema.

Die Kartenverordnung, in Kraft seit dem 1. Januar 2016, sagt:5

  • Verboten auf Karten (Artikel 8): Inhalte, die der nationalen Einheit, Souveränität, territorialen Integrität, Sicherheit oder der Einheit der Ethnien schaden, dazu Staatsgeheimnisse.
  • Grenzen (Artikel 10): Chinas Staatsgrenze muss der Standard-Musterkarte folgen, Grenzen zwischen anderen Ländern einer Referenz-Musterkarte.
  • Prüfung (Artikel 15): Veröffentlichte Karten müssen geprüft werden, ausgenommen einfache wie Karten von Sehenswürdigkeiten, Straßen und U-Bahnen.
  • Darstellung (Artikel 24): Niemand darf Karten veröffentlichen oder zeigen, die nationalen Standards nicht entsprechen.
  • Sanktionen (Artikel 49 und 50): Korrektur, Verwarnung, Einziehung und eine Geldbuße bis zu 100.000 Yuan.

Ausgenommen heißt nicht unreguliert. Nach Artikel 50 kann auch eine Karte ohne Prüfpflicht sanktioniert werden, wenn sie den Standards nicht entspricht.5

Berichtete Geldbußen liegen höher. Die Quellen nennen nicht immer das Gesetz, und der 7-Eleven-Betrag übersteigt diese Obergrenze ohne Erklärung.

FallWo die Karte warBerichtete Geldbuße
Ein Marketingunternehmen, ungenannt 13Eine Anzeige1 Million Yuan
Bright Dairy, ein chinesisches Unternehmen, 2020 26Ein Werbevideo auf der eigenen Website300.000 Yuan
7-Eleven-Gesellschaft, Peking, 2021 24Ihre WebsiteEtwa 150.000 Yuan, laut Taiwan News nach den Artikeln 15 und 37

Für Internet-Kartendienste gibt es ein eigenes Kapitel. So verlangt Artikel 34, dass Server mit Kartendaten auf dem chinesischen Festland stehen.5 Ob eine einfach eingebettete Karte eine Website zum Anbieter eines solchen Dienstes macht, haben wir nirgends gelesen.

Das Ministerium für natürliche Ressourcen gab im Februar 2023 außerdem eine Spezifikation zu öffentlichen Karteninhalten heraus.29 Wir haben die Bekanntmachung gelesen, nicht den beigefügten Text. Lassen Sie ihn von einem Berater vor Ort prüfen.

Artikel 2 der Kartenverordnung erfasst Kartentätigkeiten innerhalb der Volksrepublik.5 Wie er für eine im Ausland gehostete Website gilt, behandelte nichts von dem, was wir gelesen haben.

Am konkretesten unter den deutschsprachigen Seiten, die wir gelesen haben, ist weber.digital. Der Hosting-Anbieter nennt fünf Stellen, an denen eine Karte auf einer chinesischen Website Chinas Position abbilden müsse: die Diaoyu-Inseln, Taiwan, die Inseln im Südchinesischen Meer, Arunachal Pradesh, das als Südtibet zu bezeichnen sei, und Aksai Chin. Beim Filing bei der Behörde für öffentliche Sicherheit (PSB) schaue der Sachbearbeiter genau auf eingebundene Karten, und bei einem Verstoß müsse die Website bis zur Korrektur offline.32

Das ist die Darstellung eines Anbieters, und die einzelnen Grenzpunkte belegt er nicht mit Quellen. Als Prüfliste für Ihre Karten ist sie trotzdem nützlich.

Kostenloser Check

Ist Ihre Website auf Baidu sichtbar?

Geben Sie Ihre Website ein. Wir prüfen Baidu, die Erreichbarkeit aus China und den Aufbau Ihrer Website und senden Ihnen den Bericht per E-Mail.

Gibt es eine Liste verbotener Wörter?

Eine amtliche haben wir nicht gefunden. Die kursierenden Listen stammen von Anbietern, aus Leaks und von Forschenden, und sie beschreiben verschiedene Systeme.

QuelleWas sie beschreibtGrenze
Rambert et al., 2021 17Keyword-Filter der FirewallTreffer in HTTP-Anfragen, keine Hinweise auf eine Prüfung von HTTP-Antworten
Citizen Lab, 2023 14Regeln im Suchfeld von acht PlattformenAusgelöst durch die Anfrage, nicht durch Ihre Seite
Chinafy 18Kommerzielle BeobachtungslisteLaut eigener Seite keine Garantie für 100 % Genauigkeit
Jing Daily, 2018 19Zehn Tabuthemen für LuxusmarkenNennt auch Japan und K-Pop, und der lesbare Teil zitiert kein Gesetz

Zwei Befunde ändern, wie Sie solche Listen lesen sollten.

Erstens ändert sich die Liste der Firewall schnell. Die Studie von 2021 ergab, dass über 85 % der verbotenen Keywords seit 2014 ersetzt worden waren, die neuen hingen mit aktuellen Ereignissen zusammen.17 Jede gekaufte Liste ist eine Momentaufnahme.

Zweitens prüfte dieser Filter Anfragen. Die Studie fand keine Hinweise auf eine Prüfung von HTTP-Antworten oder auf eine massenhafte Entschlüsselung von HTTPS.17

Für die Vorstellung, ein einziges Wort in Ihrem Seitentext löse ihn aus, fanden wir also keinen Beleg.

Harmlos werden die Wörter dadurch nicht. Dieselbe Studie beobachtete eine Reaktion auf verbotene Hostnamen, ein Domainname kann also eine Rolle spielen.17 Andere Leser sehen Ihre Seite ebenfalls, etwa Suchmaschinen, Hoster und Behörden, und die Studie ist fünf Jahre alt.

Was das für die Sichtbarkeit in der Suche bedeutet

Manchmal liegt das Problem gar nicht an Ihrer Seite, sondern an der Anfrage.

Citizen Lab meldete über 60.000 eindeutige Regeln auf acht Plattformen.14 Manche liefern gar nichts. Andere zeigen nur autorisierte Quellen, typischerweise chinesische Regierungswebsites und Staatsmedien.15

In seinem Test von 18.863 Namen im Oktober 2022 zensierte Baidu 219 und Bing 189.15 Bei keinem davon zeigte Bing eine völlig leere Ergebnisseite, und seine Regeln galten nur für Nutzer auf dem chinesischen Festland.1415

Bei bestimmten Anfragen hat eine ausländische Website also womöglich keine Chance zu erscheinen. Das ist unsere Schlussfolgerung, denn die Forschenden haben Anfragen gemessen, nicht einzelne Websites. Bauen Sie Ihre Keyword-Planung nicht auf solchen Themen auf.

Fig. 1Drei Risiken, die Sie nicht verwechseln sollten

Gesetzliches Verbot

  • Ein Text
  • Eine Behörde
  • Eine Sanktion

Technischer Filter

  • Eine Anfrage oder eine Domain
  • Ohne Erklärung

Reaktion der Öffentlichkeit

  • Kritik im Netz und Entschuldigungen
  • Manchmal ganz ohne Vorschrift

Eine Wortliste behandelt nur das zweite Risiko.

Das dritte Risiko in dieser Darstellung verdient einen Hinweis. Der Ärger von BNP Paribas 2019 begann laut finews.asia damit, dass chinesische Internetnutzer nach dem privaten Beitrag eines Mitarbeiters die Website durchforsteten.23 Listen wie die von Jing Daily nennen zudem Themen wie K-Pop, die kein von uns gelesener Text verbietet.19

Ein deutsches Beispiel stand nicht auf einer Website. 2018 beschwerten sich chinesische Internetnutzer über ein Dalai-Lama-Zitat in einem Mercedes-Beitrag auf Instagram. Der Beitrag wurde gelöscht, und Daimler entschuldigte sich in China. Eine Strafe nennt der dpa-Bericht nicht, dafür Kritik an der Entschuldigung, unter anderem vom CDU/CSU-Politiker Michael Brand.36

Wer Ihre Website auf Chinesisch prüft, sollte deshalb beides beurteilen, Recht und Reaktion.

Themen, die eine Lizenz brauchen, nicht nur Sorgfalt

Manche Themen sind nur lizenzierten Betreibern erlaubt, so vorsichtig Sie auch formulieren. Beide Regeln betreffen Dienste innerhalb Chinas.2122

ThemaRegelBedeutung
ReligionMaßnahmen von 2021, Artikel 6, in Kraft seit dem 1. März 2022 21Lizenz erforderlich. Ausländische Organisationen oder Personen und die von ihnen in China gegründeten Gesellschaften dürfen diese Dienste dort nicht erbringen
Religiöser HandelMaßnahmen von 2021, Artikel 14 Nr. 9 21Kommerzielle Werbung im Namen der Religion steht auf der Verbotsliste
NachrichtenBestimmungen von 2017, Artikel 2 und 5 22Lizenz erforderlich für Berichte und Kommentare zu Politik, Wirtschaft, Militär, Diplomatie und plötzlichen Ereignissen

Die Definition von Nachrichten ist weit und nennt die Wirtschaft. Ob die Marktkommentare eines Unternehmens als Nachrichtendienst gelten, haben wir nirgends gelesen. Fragen Sie einen Berater vor Ort, wenn Sie sie aus China heraus veröffentlichen wollen.

Sind Sie in einem regulierten Bereich wie Gesundheit oder Finanzen tätig, rechnen Sie mit mehr Regeln, als diese Seite abdeckt.

So prüfen Sie Ihre Website vor der Veröffentlichung

Beginnen Sie mit Ihren Listen, nicht mit Ihren Artikeln, denn dort sitzen die belegten Fehler. Das sollte jemand erledigen, der Chinesisch liest, und es ersetzt keine Rechtsberatung.

  1. Exportieren Sie jede Liste. Prüfen Sie Länder-, Regions-, Versand- und Vorwahlmenüs, in Formularen und in Ihrer App, auch fertige Listen aus Shop- oder Formular-Plugins.
  2. Durchsuchen Sie Ihren chinesischen Text. Suchen Sie nach 国家 (Land) in der Nähe von 台湾, 香港, 澳门 und 西藏, den Namen von Taiwan, Hongkong, Macau und Tibet.
  3. Finden Sie jede Karte und jede Flagge. Denken Sie an Bilder, PDFs, Präsentationen und Symbole in einer Sprachauswahl.
  4. Lesen Sie die Übersetzung. Eine Maschine kann aus „Länder, in denen wir tätig sind“ genau die falsche Liste machen. Siehe Reicht maschinelle Übersetzung für China aus?.
  5. Prüfen Sie, was andere veröffentlichen können. Nach Artikel 16 müssen Anbieter im Geltungsbereich eindeutig verbotene Inhalte stoppen, Aufzeichnungen aufbewahren und sie melden.1 Kommentare und Uploads brauchen einen Verantwortlichen.
  6. Beziehen Sie E-Mails und Umfragen ein. Marriotts Problem zeigte sich in einem Mailing.8 Das Gleiche gilt für Ihr WeChat-Konto, denn Plattformen können Konten einschränken oder schließen.2
  7. Benennen Sie, wer schnell handeln kann. Jemand sollte eine Live-Seite innerhalb von Stunden ändern können.
Fig. 2Was Sie zuerst prüfen sollten
  1. Länderliste mit Taiwan, Hongkong, Macau oder TibetZuerst korrigieren
  2. Welt- oder ChinakarteErsetzen
  3. Flaggen-AuswahlEntfernen
  4. Reißerischer TitelUmschreiben
  5. Offene KommentareModerieren

Verdict

Korrigieren Sie Bezeichnungen und Karten, schreiben Sie ehrliche Titel und halten Sie sich aus politischen Kommentaren heraus. Ziehen Sie einen Berater hinzu, wenn Ihre Branche Religion, Nachrichten, Gesundheit oder Finanzen berührt.

Das Wichtigste in Kürze

Die Verbotsliste ist weit, die belegten Fehler sind eng: Ortsnamen, Länderlisten und Karten.

Beheben Sie diese zuerst. Akzeptieren Sie dann, dass niemand Ihre Website als sicher zertifizieren kann, denn die Vorschriften sind offen und die Filter nicht veröffentlicht. Behalten Sie den Entwurf von 2026 im Blick, er könnte die Antwort für Websites ändern, die aus dem Ausland betrieben werden.

Wie Index in China helfen kann

Wir übersetzen Ihre Website mit einem menschlichen Prüfer in vereinfachtes Chinesisch und arbeiten daran, dass sie von chinesischen Suchmaschinen indexiert wird.

Wir geben keine Rechtsberatung und geben keine Inhalte frei. Braucht Ihr Fall einen Berater vor Ort, sagen wir es Ihnen. Sehen Sie, was wir tun, oder vereinbaren Sie ein 30-minütiges Gespräch.

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Häufige Fragen

Kann ein einziges sensibles Wort meine ganze Website sperren lassen?

Dafür haben wir keinen Beleg gefunden. Die Firewall-Studie von 2021 stellte Keyword-Treffer in Anfragen fest, aber keine Hinweise auf eine Prüfung von HTTP-Antworten, und ein Treffer störte den Verkehr zwischen zwei Hosts für einige Minuten.17 Entwarnung für Ihre Inhalte ist das nicht. Suchmaschinen, Hoster und Behörden können eine öffentliche Seite lesen, und eine ganze Domain kann trotzdem gesperrt werden.

Spielen diese Regeln eine Rolle, wenn meine Website nur auf Deutsch oder Englisch ist?

Das kann sein. Artikel 15 nennt keine Sprache, und Citizen Lab fand Zensurregeln der Suche auf Englisch, Chinesisch und Uigurisch.114 Alle Sanktionen, von denen wir gelesen haben, betrafen chinesischsprachige Seiten oder einen chinesischen Markt, ein rechtlicher Freibrief ist das aber nicht. Die Anordnung gegen Medtronic nannte medtronic.com, prüfen Sie also jede Fassung, die chinesische Leser erreichen könnten.9

Darf ich auf meinen nicht chinesischen Seiten über Tibet oder Taiwan schreiben?

Eine sichere Regel können wir Ihnen nicht geben. Die von uns gelesenen Quellen sagen nicht, ob eine nicht chinesische Fassung einer Website unter diese Vorschriften fällt, und die Fälle klären es nicht. Das Risiko kann von Ihrer Gesellschaft, Ihrer Branche und Ihren Lesern abhängen. Berührt Ihre Arbeit diese Orte oder haben Sie eine chinesische Gesellschaft, fragen Sie vor der Veröffentlichung einen Berater vor Ort.

Ist Kritik an Chinas Wirtschaft für eine Unternehmenswebsite heikel?

Das kann sein. Reporter ohne Grenzen (RSF) berichtete 2007, eine französische Website für Krisenmanagement sei gesperrt worden, nachdem sie Unternehmen vor Geschäften mit China gewarnt hatte.20 Das ist die Deutung von RSF, und der Fall ist alt. Artikel 15 erfasst auch Gerüchte, die die soziale Ordnung stören, die Bestimmungen von 2019 nennen zusätzlich die Wirtschaftsordnung. Formulieren Sie Marktkommentare also mit Bedacht.12

Kann eine Inhaltsprüfung garantieren, dass meine Website sicher ist?

Nein. Von außen kann das niemand versprechen, denn die Vorschriften enden mit einem Auffangtatbestand, und veröffentlichte Kriterien für ihre Anwendung haben wir nicht gefunden. Selbst Chinafy, das eine Keyword-Überwachung verkauft, garantiert nach eigener Aussage keine Genauigkeit von 100 %.18 Eine Prüfung senkt das Risiko eines vermeidbaren Fehlers. Eine Freigabe durch irgendeine Stelle verschafft sie Ihnen nicht.

Quellen

  1. Measures for the Administration of Internet Information Services, überarbeiteter Text (chinesisch)
  2. Provisions on the Ecological Governance of Online Information Content (chinesisch), Cyberspace Administration of China
  3. Cybersicherheitsgesetz der Volksrepublik China, geänderter Text (chinesisch)
  4. Provisions on the Administration of Internet Information Search Services (chinesisch), Cyberspace Administration of China
  5. Map Management Regulations (Kartenverordnung), Dekret Nr. 664 des Staatsrats (chinesisch)
  6. AWS China: Compliance-Hinweis zur Steuerung verbotener Inhalte (chinesisch)
  7. Cloudflare (englisch): Get started with the China Network
  8. National Business Daily: Shanghai ordnet Schließung von Marriotts chinesischer Website und App für eine Woche an (chinesisch)
  9. The Paper, neu veröffentlicht von China Digital Times: Shanghai weist Zara und Medtronic an, ihre Websites zu korrigieren (chinesisch)
  10. CNBC, Reuters (englisch): China cracks down on foreign companies calling Taiwan, other regions countries
  11. CNBC, Reuters (englisch): China fines Muji for packaging that lists Taiwan as a country
  12. Taipei Times (englisch): 7-Eleven fined in China over Taiwan listing
  13. Bird & Bird, über Conventus Law (englisch): Marketing and advertising compliance for foreign businesses in China
  14. Citizen Lab (englisch): FAQ, a comparison of search censorship in China
  15. Citizen Lab (englisch): A comparison of search censorship in China, vollständiger Bericht
  16. Global by Design (englisch): Can displaying the Taiwan flag get your website shut down in China?
  17. Rambert et al.: Chinese Wall or Swiss Cheese? Keyword filtering in the Great Firewall of China, The Web Conference 2021 (englisch)
  18. Chinafy (englisch): Keyword Visibility
  19. Jing Daily (englisch): The 10 most taboo topics for luxury brands in China
  20. RSF (englisch): French website blocked for warning of risks of investing in China
  21. Measures on the Administration of Internet Religious Information Services (chinesisch), veröffentlicht auf der Website der Cyberspace Administration of China
  22. National Business Daily: Provisions on internet news information services, veröffentlichter Text (chinesisch)
  23. finews.asia (englisch): PR 101, how to create a safe select-country drop-down menu
  24. Taiwan News (englisch): Bericht über die 7-Eleven-Geldbuße unter Berufung auf Credit China
  25. Fox Business (englisch): China orders Muji to destroy catalog over 'problem map'
  26. Sixth Tone (englisch): Dairy company fined $45,000 over 'incorrect' map of China
  27. Kelsey Broderick, Global Taiwan Brief (englisch): Multi-national company treatment of Taiwan
  28. Cyberspace Administration of China: Measures for the Administration of Internet Information Services, überarbeiteter Entwurf zur Kommentierung (chinesisch)
  29. Ministerium für natürliche Ressourcen: Bekanntmachung zur Spezifikation für öffentliche Karteninhalte (chinesisch)
  30. DailyO (englisch): China fines Seven-Eleven for calling Taiwan a country
  31. Österreichisches Außenministerium (BMEIA): Reiseinformation China, Abschnitt Einfuhr & Ausfuhr
  32. weber.cloud: Nutzung von Karten auf chinesischen Websites
  33. weber.cloud: Werbegesetz der Volksrepublik China
  34. MERICS: China Update 2/2019, Deutschland fordert mehr EU-Zusammenhalt im Umgang mit China
  35. aeroTELEGRAPH: US-Airlines umgehen China-Vorschrift
  36. Autohaus, dpa: Wegen Dalai-Lama-Zitat: Daimler in China unter Druck
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